Tierschutzbund MV
Tierschutz in der Landwirtschaft
Warum landwirtschaftliche Tierhaltung ein Thema ist
Millionen Tiere leben in Deutschland in landwirtschaftlichen Betrieben – viele davon unter Bedingungen, die ihren natürlichen Bedürfnissen kaum gerecht werden. Als Tierschutzbund setzen wir uns für tierfreundliche Haltung ein: mit mehr Platz, Auslauf, Beschäftigung und Rückzugsmöglichkeiten. Hier findest du einen Überblick über die wichtigsten Tierarten und was für sie wirklich wichtig ist.
Haltungssysteme für Nutz- und Geflügeltiere
🐖 Schweine
In konventionellen Ställen leben Schweine oft auf Vollspaltenböden, das heißt auf durchgehenden Spalten, die Kot und Urin ableiten. Diese Systeme bieten kaum Rückzugsmöglichkeiten oder Beschäftigung und werden stark als tierunfreundlich kritisiert. Zusätzlich sind Kastenstände verbreitet, in denen Sauen sich nicht frei bewegen können und ihre natürlichen Verhaltensweisen, wie Nestbau oder Sozialkontakt, nicht ausleben dürfen.
🐄 Rinder (Milch- und Mastrinder)
Häufig werden sie in Anbindehaltung gehalten – dauerhaft oder saisonal angebunden – sodass sie sich kaum bewegen oder den Stallumlauf nutzen können. Der Deutsche Tierschutzbund fordert ein konsequentes Verbot dieser Praxis. Laufställe mit Auslauf werden als tierschutzgerechte Alternative empfohlen.
Schafe & Ziegen 🐐
Schafe leben gern im Herdenverband und brauchen Auslauf im Grünen. In der konventionellen Haltung fehlt es oft an Wetterschutz, Klauenpflege und Kontrolle auf Parasiten. Gute Haltung bedeutet artgerechte Weideführung, Zugang zu Unterständen und regelmäßige Betreuung.
🐔🦃🦆🪿Geflügel (Hühner, Puten, Enten, Gänse)
Viele Masthühner und Puten leben dicht gedrängt in Ställen ohne Tageslicht. Legehennen waren teilweise noch bis vor kurzem in Kleingruppenkäfigen untergebracht – verboten, aber Übergangsfristen gelten bis 2028. Routineeingriffe wie Schnabelkürzen sind verbreitet, um Verletzungen bei Enge zu verhindern.
Forderungen des Deutschen Tierschutzbundes
Der Deutsche Tierschutzbund (mit Sitz in Bonn, Dachverband zahlreicher Vereine) setzt sich fachlich, politisch und kommunikativ für bessere Haltungsbedingungen ein. Zu den wichtigsten Forderungen zählen:
1. Verbot von tierquälerischen Haltungsformen
- Anbindehaltung (dauerhaft & saisonal) in der Rinderhaltung
- Käfighaltungssysteme, wie Kastenstände oder Käfige für Geflügel und Sauen
2. Verbot von routinemäßigen Amputationen und Eingriffen
- Schnabelkürzen, Enthornen, Schwanzkupieren, betäubungslose Kastration etc. werden strikt abgelehnt
3. Bessere Haltungsbedingungen gemäß Tierbedürfnissen
- ausreichend Platz, Beschäftigung, Sozialgruppen, Tageslicht, Auslauf
4. Tiertransporte
- Stoppt lange Transporte – besonders ins Ausland: Forderung nach Verbot von Transporten über 8 Stunden, Verbot lebender Exporte in Drittländer und strengere Kontrollen
5. Strengere Gesetzgebung und Überwachung
- Videoüberwachung in Schlachthöfen, nationale Datenbanken für Tierbefunde, Sachkunde-Pflicht für Tierhalter:innen
- Verbot von Qualzuchten und hormonellen Zusätzen wie PMSG
6. Gesetzliche Verankerung des Tierschutzes
- Tierschutz als Staatsziel gemäß Artikel 20a Grundgesetz, umfassende Prüfung aller tierbezogenen Gesetze auf ihre Vereinbarkeit mit diesem Ziel
Überblick: Haltung & Forderungen
Schweine
- Übliche Haltungssysteme: Vollspaltenboden, Kastenstände
- Tierschutzforderung: Verbot von Käfig-/Anbindehaltung, Amputationsverbot
Rinder
- Übliche Haltungssysteme: Anbindehaltung (dauerhaft/saisonal)
- Tierschutzforderung: Laufställe, Auslauf, sofortiges Anbindeverbot
Schafe/Ziegen
- Übliche Haltungssysteme: Konventionelle Aufenthalte mit wenig Freiraum
- Tierschutzforderung: Gruppenhaltung, Beschäftigung, Platz, Sozialverhalten
Geflügel
- Übliche Haltungssysteme: Käfige, dichter Stall, Schnabelkürzen
- Tierschutzforderung: Freilandhaltung, Verbot von Routineingriffen
Alle Arten
- Übliche Haltungssysteme: Transport über längere Strecken
- Tierschutzforderung: Verbot von Langzeit-/Exporttransporten, bessere Kontrollen
Weitere Infos direkt vom Deutschen Tierschutzbund e.V.
Zum Thema Landwirtschaft klärt auch der Deutsche Tierschutzbund darüber auf, welche Bedürfnisse Kühe, Schweine, Puten, Hühner und Co. haben, welche Ansprüche sie eigentlich an ihre Haltung stellen und wie diese in der Massentierhaltung missachtet werden.
Unser Fazit
Der Deutsche Tierschutzbund fordert klare Verbesserungen für Nutztiere – weg von fixierender, enger Haltung hin zu respektvollen, artgerechten Systemen mit Raum, Auslauf und sozialer Interaktion. Eingriffe zur Stressvermeidung sollen nicht durch Verhaltensanpassung ersetzt werden, sondern durch bessere Haltung selbst überflüssig werden. Ebenso müssen Transporte und Schlachtung humaner und kontrollierter erfolgen.